Er war einer der ganz Großen der österreichischen Politiker: Bruno Kreisky, auch wenn er zum Schluss vielleicht ein bissl zu viel „gegrantlt“ hat. Auch ich verdanke ihm viel …

Ulrich Brunner: Lernen S' Geschichte, Herr ReporterBruno Kreisky war wahrscheinlich der für Österreich prägendste Politiker des letzten Jahrzehnte: ihm gelang es Österreich in moderne Zeiten zu führen und den Wohlfahrtstaat einzurichten.
Viele seiner Aussprüche sind legendär. Darunter auch das „Lernen S‘ Geschichte, Herr Reporter“. Das Zitat kannte ich noch, wer der „Reporter“ war, hatte ich vergessen – es war Ulrich Brunner.
Brunner erzählt in seinem Buch „Episoden einer Ära“ und es steht nicht nur Kreisky im Mittelpunkt, sondern auch der Autor selbst. Eigentlich hätte ich mehr Kreisky und weniger Brunner auf Grund des Titels vermutet, wenn auch sein Lebensweg interessant zu lesen ist.

Wenn er es vielleicht bestreiten würde, ein bisschen scheint ihn der Ausspruch Kreiskys noch immer zu „wurmen“. Unbestreitbar ist sicher, dass Kreisky nicht immer nur der „Sonnenkönig“ war und sicher auch seine Schattenseiten hatte. Meiner Meinung nach ist ihm allerdings der Narzissmus, den Brunner bei ihm ortet, durch seine Biographie leichter zu verzeihen als der heutigen Politikergeneration.

Allein die kostenlosen Schulbücher, Schülerfreifahrten, Studieren ohne Studiengebühren ermöglichten mir und meinen Eltern für mich einen relativ sorgenfreien „Bildungsweg“.

Auch die Emanzipation hat ihm einiges zu verdanken. Erst in seiner Regierungszeit wurde auch gesetzlich nachgezogen, was für mich immer selbstverständlich war: wie z.B. als Frau selbst einen Pass zu beantragen oder selbst zu entscheiden, ob ich arbeiten gehen möchte oder nicht und nicht den Ehemann dazu befragen zu müssen. Auf das Thema der „ehelichen Pflichten“ will ich hier lieber gar nicht eingehen. Vielleicht war Kreisky – wie Brunner schreibt – bei all den Gesetzesvorlagen von Broda (er war hier die treibende Kraft) nicht immer einverstanden, vielleicht hat er einiges im Hintergrund korrigiert, aber er hat die Richtung ermöglicht.

Mein größter Minuspunkt der Ära Kreisky ist Zwentendorf, obwohl ich erst durch dieses Buch erfahren habe, dass der Bau von einer ÖVP-Regierung beschlossen wurde. Dennoch: Immerhin wurde es nicht in Betrieb genommen, wenn sich Kreisky bei dieser Volksabstimmung auch verkalkuliert hatte.

Ich habe mich beim Lesen sehr gefreut, dass ich mit Kreisky in der Einschätzung von Helmut Zilk ziemlich genau übereinstimme und dass er auch den „Schranz-Empfang“ in seinem Ausmaß nicht so sehr geschätzt hatte.

Brunner versucht in seinem Buch auch die Schattenseiten des Sonnenkönigs zu zeigen. Wer also mehr über Kreisky und seine Zeit, gespickt mit etlichen Hintergrundinformationen, aber auch über eine Journalistenkarriere erfahren möchte, wird nicht enttäuscht werden.

Ulrich Brunner: Lernen S‘ Geschichte, Herr Reporter
Bruno Kreisky. Episoden einer Ära
Ecowin
ISBN 978-3-7110-0263-1
www.ecowin.at