Wein, vor allem Rotwein, aus dem Burgenland ist weit über seine Grenzen bekannt. Das man nun auch die unterschiedlichen Anbaugebiete und Charakteristika kennen lernt, verdanken wir unter anderem Nicholas Ofczarek. (Foto © Burgenland Tourismus GmbH, Peter Podpera)

Ich war als Kind und Jugendliche fast jedes Wochenende in Podersdorf am Neusiedlersee (meine Eltern hatten am Campingplatz einen Wohnwagen, später ein Mobilheim stehen) und es zieht mich im Alter auch immer wieder ans Meer der Wiener zurück. Natürlich pflegte man schon damals den Weinbauern seines Vertrauens immer wieder zu besuchen und auch der lange geschmähte „Doppler“ kam bei unseren Festen immer wieder zum Einsatz.

Ich habe also von klein auf eine Nahebeziehung zum See, zur Kultur, zur Landschaft und zu den Menschen im Burgenland. Und zum Wein.
Vornehmlich bekannt war mir das Anbaugebiet um den Neusiedlersee, aber seit dieser Woche  - Ofczarek sei Dank – weiß ich nun über die unterschiedlichen Charakteristika der burgenländischen Weine Bescheid. Ob man die Aussage der Werbespots ohne Erklärung versteht, bin ich mir nicht ganz sicher, einige davon sind aber wirklich gelungen.

Da dieser Artikel aber bei den Spezialitäten erscheint, wollen wir nun auf die verschiedenen Anbaugebiete eingehen. Die Werbespots gibt’s zur Aufheiterung oben drauf und es würde mich interessieren, was ihr davon haltet.

Neusiedlersee DAC Zweigelt

Der See gilt als Klimaregulator dieses Weinbaugebiets, das sich vom Nord über das Ostufer erstreckt, Er gibt die gespeicherte Wärme von Tag langsam in der Nacht an seine Umgebung ab und fördert so die Ausbildung einer kühlen Traubenfrucht. Die leichteren Böden eignen sich optimal für den Zweigelt, der rund, charmant und samtig im Geschmack ist und sich durch seine dunkle Rubingranatfarbe auszeichnet. Im Mittelpunkt steht die Herzkirsche, aber auch dunkle Beerenfruchtnoten sind zu schmecken.

Ein hervorragender Zweigelt vom Weingut Allacher
Ein hervorragender Zweigelt vom Weingut Allacher

Ich durfte bei der Präsentation einen Zweigelt Neusiedlersee DAC 2021 vom Weingut Vinum Pannonia Allacher probieren und kann nur sagen, ja – stimmt. Sehr runder, ausgewogener Geschmack, herrlich dunkelrot die Farbe. Mein Favorit. Er schmeichelt einfach dem Gaumen…

Da für mich das Burgenland doch eher ein Rotweinland ist, bleiben wir doch gleich beim Roten und begeben wir uns ins Mittelburgenland.

Mittelburgenland DAC Blaufränkisch

Hier sind wir im Zentrum des Burgenlandes, doch auch noch hier spielt der See eine große Rolle als Wärmeregulator und ermöglicht mit seinem Wasserspeichervermögen und den Böden eine ideale Basis für den Blaufränkischen der unter der Bezeichnung Mittelburgenland DAC am Markt erhältlich ist. Charakteristisch ist für ihn die farbintensive, dunkle, rubinrote Farbe, die würzig-pfeffrige Note und die oftmals rauchige Anklänge von Barrique. Am Gaumen präsentiert er sich vollmundig, körperreich und lang im Abgang.

Der Mittelburgenland DAC vom Weingut Tesch
Der Mittelburgenland DAC vom Weingut Tesch

Hier konnte ich einen Mittelburgenland DAC Ried Hochberg 2019 vom Weingut Tesch verkosten. Er präsentierte sich mir würziger, prägnanter als mein schmeichelnder Zweigelt. Vielleicht hätte er auch noch ein bisschen mehr Luft gebraucht – außerdem würde ich ihn gerne nochmal in ein, zwei Jahren verkosten. Wahrscheinlich würde er mich mit der Würde des Alters noch mehr begeistern.

Aber es gibt weitere Anbaugebiete und Weine – diese habe ich zwar nicht verkostet, aber man darf sie keinesfalls unerwähnt lassen. Bleiben wir aber noch einmal beim Blaufränkischen…

Eisenberg DAC, Blaufränkisch

Eisenberg DAC ist das südlichste Weinbaugebiet des Burgenlandes mit welligen Hügeln und steilen Hängen. Der hohe Eisenanteil der Schiefer- und Lehmböden des Gebiets sorgt für die geschmackliche Eigenständigkeit des Weines und zeichnet sich durch einen charakteristischen Duft und seine Mineralik aus.

Eisenberg DAC, Blaufränkisch, Ried Szapary 2018, Weingut Jalits
Eisenberg DAC, Blaufränkisch, Ried Szapary 2018, Weingut Jalits

Eine einzigartige Spezialität – markant und fordernd.

Leithaberg DAC, Weißburgunder

Doch im Burgenland gibt es auch ausgezeichnete Weißweine, wie z.B. den Weißburgunder aus der Region Leithaberg, die zwischen dem Leithagebirge und dem Neusiedlersee liegt.

Leithaberg DAC, Weißburgunder, Weingut Wagentristl
Leithaberg DAC, Weißburgunder, Weingut Wagentristl

Muschelkalk, Schiefer ein höherer Lehmanteil am Fuße der Hänge prägt den Geschmack der hier wachsenden Weine, die meist im Holzfass ausgebaut werden und durch ihre edle Struktur und ihre feine Aromen, wie auch durch markante Säure und elegante Mineralik überzeugen.

Rosalia DAC, Rosé

Das Rosaliengebirge entlang der burgenländisch-niederösterreichischen Grenze ist der Namensgeber des Rosalia DAC, der sich durch seine Frische und Fruchtigkeit auszeichnet, die mit Hilfe des pannonischen Klimas und der fruchtbaren Braunerdeböden erzielt werden.

Rosalia DAC, Rosé 2021, Domaine Pöttelsdorf
Rosalia DAC, Rosé 2021, Domaine Pöttelsdorf

Er wird aus einer oder mehreren roten Qualitätsweinrebsorten vinifiziert und trocken im Stahltank oder Holzfass ausgebaut und verspricht ein Bukett nach roten Beeren und jugendliche Eleganz.

Zum Schluss noch eine außergewöhnliche Spezialität:

Ruster Ausbruch DAC

Rust braucht man Burgenlandliebhabern nicht vorstellen, das Ruster Hügelland zieht sich am Westufer des Neusiedler Sees von Nord nach Süd. Die Produktion von edelsüßen Weinen hat hier eine wahrlich lange Tradition, die bis ins 15. Jahrhundert zurückführt. „Ausbruch“ hat nichts mit Gefängnis zu tun, sondern bezieht sich auf die händische Selektion bei der Herstellung, bei der die eingeschrumpften Weinbeeren aus den Trauben herausgebrochen werden.

Ruster Ausbruch DAC 2018, Weingut Feiler-Artinger
Ruster Ausbruch DAC 2018, Weingut Feiler-Artinger

Der Ruster Ausbruch DAC ist ein edelsüßer Wein auf Weltklasseniveau, der reduktiv ausgebaut wird, stets finessenreich, balanciert und nie überbordend. Er brilliert mit goldgelber Farbe, würziger Honignote und einem feinen Spiel aus Edelsüße und Säure.

So, nun wisst ihr einmal über die verschiedenen Weinanbaugebiete und deren Charakteristika Bescheid und könnt beurteilen, ob sie von Nicholas Ofczarek auch richtig und verständlich dargestellt wurden. Einige Spots gefallen mir auch sehr gut, ob man allerdings ohne die obigen Erklärungen wirklich versteht, worum es geht, bin ich mir nicht so sicher.

Auf jeden Fall empfehle ich einen Besuch der Website https://www.burgenland.info/die-weine-des-burgenlands wo ihr noch mehr über die Weine und die Winzer erfahren könnt und auch gleich Erlebnisse (mit Wein oder ohne) und Übernachtungen (immer empfehlenswert bei Weinverkostungen) buchen könnt.

Noch ein Tipp zum Abschluss: Wer gerne fruchtige, gehaltvolle, ein wenig liebliche Weißweine schätzt, die aber noch immer einen trockenen Charakter haben können, sollte auch einen Muskat Ottonel probieren. Auch von dieser Rebsorte gibt es einige besonders gute Tröpferln …

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